Unabwägbarkeiten fest im Blick

Haller Tagblatt, 15.06.2018, Alisa Grün

Es war von Pleite und einer extrem heißen Versammlung die Rede – ersteres nur bei einem Witz von Achim Beck, Bürgermeister von Niedernhall und Mitglied des Aufsichtsrates. Letzteres nur, als Andreas Siebert, Vorstandsvorsitzender der RBKJ, an die sommerlichen Temperaturen bei der Generalversammlung des letzten Jahres erinnerte.

Die nun in der Niedernhaller Stadthalle vorgelegten Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres, trieben bei den Genossen keine Schweißperlen auf die Stirn. Im Gegenteil: Die RBKJ verzeichne laut Vorstandsmitglied Martin Krenkler 2017 trotz eines anspruchsvollen Umfeldes wiederholt eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung. Siebert unterstützt: „Uns geht es gut.“ Für den Vorstandsvorsitzenden ist dafür die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Europäischen Union, mit Deutschland als Lokomotive, verantwortlich. Ein unverändert angespanntes Umfeld an den internationalen Finanzmärkten, das auch durch US-Präsident Trump oder den Syrien-Konflikt beeinflusst werde, führe zu Verunsicherung. „Daher suchen die Menschen nach Nähe und Stabilität, nach Verlässlichkeit und Partnerschaft“, sagt Siebert. Besonders wichtig ist ihm keine Negativzinsen auf Kundeneinlagen zu berechnen. Hätte das Bankhaus die Minuszinsen durchgereicht, würden die Bücher einen zusätzlichen Ertrag von 1,26 Millionen Euro aufweisen. Siebert sagt: „Das hätte uns sicher gut getan.“ Dennoch sprechen aktuell mehrere Gründe gegen die Umlegung der Zinsen auf die Kunden. So zum Beispiel das gute Provisionsgeschäft, das unter anderem den Verkauf von Lebensversicherungen der R + V beinhaltet.

Damit die Geschäfte, trotz Unwägbarkeiten wie Niedrigzins, Digitalisierung und Regulierung, weiterhin gut laufen, bearbeiten die Genossen mehrere „Baustellen“: In Dörzbach entsteht „zur besseren Kundenbetreuung“ ab Oktober ein Kunden-Dialog- und Servicecenter. Dort werden sechs neue Arbeitsplätze geschaffen. Zudem leistet das Geschäftsfeld der Immobilienvertretung, das der frühere Vorstandsvorsitzende Manfred Bub vor etwa einem Jahr ins Leben rief, einen positiven Beitrag zum Geschäftsergebnis.

Neue Gesichter im Aufsichtsrat

Und erneut gab es bei dieser Generalversammlung Abschiede: Rudi Schlecht (Marktbereich Mulfingen) und Willy Meinikheim (Marktbereich Ingelfingen) verlassen den Aufsichtsrat. Für Schlecht rückt Ulrich Oberndörfer nach, den Platz von Meinikheim wird Willi Ehrmann übernehmen. In ihrem Amt bestätigt wurden Karl Heinz Dorfi (Marktbereich Niedernhall) sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Göker. „Der Neue im Team“, wie sich der Vorstandsvorsitzende Siebert selbst bezeichnet, blickt zufrieden auf sein erstes Jahr im Amt zurück. Er rückte im vergangenen Juli Manfred Bub nach. Vor allem die gute wirtschaftliche Struktur der Region und die zahlreichen Unternehmen, die zu ihrer regionalen Bank stehen, seien für ihn außergewöhnlich. Siebert erläutert: „Unsere Aufgabe ist es in Zukunft, die Firmen weiterhin gemeinsam mit unserer Zentralbank zu begleiten.“

Siebert setzt klare Ziele

Doch auch eine Sorge treibt Siebert um: „Wir merken, dass die Dynamik der Firmen in der Technologieregion Hohenlohe sehr hoch ist. Wir müssen schauen, dass wir da Schritt halten können.“ Für das laufende Geschäftsjahr setzt sich der Vorstandsvorsitzende zudem ein klares Ziel: „Wir wollen unsere Eigenkapitalbasis stärken, um weitere Kreditwünsche der Kunden erfüllen zu können.“

Herbert Göker hat das Geschäftsjahr 2016 – wie im Fußball – als Steilvorlage für den neuen Vorstandsvorsitzenden bezeichnet. Siebert konnte dann von Manfred Bub im Juli 2017 eine gute Halbzeitführung übernehmen. Vor den Genossen resümiert „der Neue“: „Das Team hat den Vorsprung ins Ziel gebracht.“

113

Mitarbeiter zählt die Raiffeisenbank Kocher-Jagst zum Ende des Jahres 2017, davon neun Auszubildende oder duale Studenten. Den Kunden stehen 22 Geschäftsstellen und 10 Geldausgabeautomaten zur Verfügung.

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2017 im Überblick

Das Bilanzvolumen erhöhte sich um 6,5 Prozent auf 685,7 Millionen Euro. Insgesamt wird ein Gesamtkundenvolumen von rund 1,246 Milliarden Euro (Plus 9 Prozent) betreut. Die Einlagen betragen 784,9 Millionen Euro (Plus 7,67 Prozent). Das gesamte Kundenkreditvolumen beläuft sich auf 462,1 Millionen Euro (Plus 11,8 Prozent). Vergleichbare genossenschaftliche Banken in Baden-Württemberg erzielen ein Plus von 5,3 Prozent.

Die Ingelfinger erwirtschafteten einen Überschuss von rund 1,5 Millionen Euro. Dieser verminderte sich im Vergleich zu 2016, aufgrund von Risikovorsorgen sowie einer „angemessenen“ Dotierung der Rück­lagen.  Es wird eine Dividende von 4,5 Prozent ausgezahlt.

Die Mitgliederzahl stieg auf 13 819 an. Die RBKJ hat in der Region Kocher und Jagst etwa 21 700 Kunden.